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13 Suche vergebens nicht nach dem Worte Welches erklärt deines Herzens Wille. Im Reich des Zaubers und allerorte
Vernimmst du nur des Wortes Stille.Jetzt, da du am Ziele angelangt, Tue, was das Herz von dir verlangt! Mein Freund, glaube bloß nicht, daß die Welt des Wortes, die
ganze Welt sei. Das kommt dir nur so vor, da du den Erfahrungen einer unmittelbaren Konfrontation mit der Natur entwachsen bist; jetzt bleibt es dir nichts anderes übrig, als dir deine Welt zurechtzuargumentieren, indem du dich des
Wortes bedienst, ohne zu sehen, daß auch dieses nur ein Produkt deines Verstandes ist. So bleibst du in deiner Welt gefangen und merkst es nicht einmal. Du hast gesehen, daß es von der Welt nicht nur die eine gibt und nun muß du
dich noch mit der Tatsache konfrontiert sehen, daß das Wort ohnehin eine Dimension für sich darstellt. Vertraust du so sehr in seine Wahrheit? Siehst du nicht, daß sie dort beginnt, wo das Wort noch nicht gesprochen, und dort
endet, wo die Stille schon längst waltet? Die Macht des Wortes mag groß sein in deiner Welt, aber in der Tat, gibt es vieles, was die Worte auszudrücken nicht vermögen und betrittst du ein Mal die Welt der Gefühle, und diese selbst
der Welt des Zaubers abstammend, so sollst du dich nicht wundern, daß da Vieles unausgesprochen bleiben muß. Es gibt sie einfach, die Augenblicke, denen Worte schlicht nicht gewachsen sind. Man könnte meinen, daß man hier
vielleicht mit deren Fülle diese irgendwie fassen könnte, aber suchst du die Worte erst zu finden, so bleibst du oft sprachlos, und dort wo du mit Fülle des Wortes bestechen wolltest, dort bleibst du stumm, wortlos.
Das Leben im Tal der Liebe unterliegt keinen Gesetzen und kein Regelwerk, weder der realen noch der verzauberten Welt, findet dort seine Anwendung, wo die Liebe zu Hause ist. Es geschehe was des Herzens Wille. Aber
andererseits, wie kann ich mich jetzt in die Sprachlosigkeit flüchten, wo gerade jetzt der Zauber so greifbar nah, so eindeutig und unwiderlegbar sei, daß - man brauche ihn gar nicht erst zu suchen - er in jedem Wort zu finden? Ja,
der Zauber. Denn wie könnte ich jetzt noch vom Zufall oder Schicksal reden? Oder anders ausgedrückt: wie konnte ich bloß damals an Zufall oder Schicksal nur gedacht haben? Wie konnte ich nur die Augen vor dem offensichtlichsten
verschlossen gehalten haben? Oder mußte es vielleicht so sein? Ja, vielleicht liegt das im Wesen des Zaubers verborgen, daß sich dieser nur durch sich selbst offenbart und es lohnt die Mühe nicht, nach dessen Gründen und
Erklärungen zu suchen, sintemal diese für den Menschen - ob auserwählt oder liebend - unergründlich sind. Und für einen, der den Gefühlen in seiner Rationalität entbehrt, ohnehin nicht zu sehen sein wird. Unser Verstand ist nun mal
so geschult, daß er im Plausiblen sich geschützt glaubt und vor dem Unbegreiflichen fürchtet. So nehmen wir vieles hin, was des Zaubers und tun so als sei es das gewöhnlichste von der Welt. Doch dieser Welt, welche all das was da
geschehen für gewöhnlich halten zu wagen würde, dieser Welt waren wir beide nun entwachsen. Und obgleich das, was um uns herum tobte irgendwie plausibel schien, so wußten wir, daß es nicht an der Zeit sei, es Zufall zu schimpfen.
Es war eine zu kostbare Gabe, als das man sie ohne tiefste Dankbarkeit an das Leben entgegennehme. Des Zaubers, was dem Zauber gebührt. Als wir am Vorabend uns von einer kleinen Gemeinde von Bergsteigen umgeben
sahen, welche das Schicksal ereilte, völlig durchnäßt zu sein (denn die Mischung, welche ihnen Siklawa
bereitet hatte, die aus Wasser und Wind, jedes Kleidungsstück und selbst Rucksäcke und deren Inhalt durchdrang), so war es uns klar, daß auch dies nur ein Teil des großen Plans sei, dieses Spiels der Welten, welches für uns schon entschieden war. Denn das Wetter des darauffolgenden Tages war einem Wanderer nicht günstig geneigt; wen wundert's: im
Tal der Liebe
wird selbst die Schönheit der Landschaft zu einer Sekundärtugend, wie jede Schönheit, welche von Liebe umgeben. Und außerdem schafften es die meisten nicht, ihre Sachen zu trocknen, so daß sie entweder zurück zum Talausgang oder zu einer Hütte aufbrachen, welche über etwas luxuriösere Ausstattung verfügte, als die unsrige. Wahrscheinlich ließe es sich, noch mehr Erklärungen beifügen wieso es so gekommen sei und nicht anders. Aber wozu? Seit Tagen gingen unsere Wünsche in Erfüllung, nun waren es unsere Träume und schließlich die Liebe selbst, welche sich ihren Weg durch unsere Herzen bannte und die ganze Landschaft um uns herum mit sich in den Strudel der Ereignisse fortriß. So war es für uns weder ein Wunder noch eine Schicksalsfügung, sondern es war schlicht natürlich, daß wir an diesem Tag, an dem unsere Kleidung auf dem Heizkörper trocknete, allein in der Stube, und beinahe allein in der Hütte waren. Wie natürlich es war, entscheide nun selbst, denn wann ist man schon allein von den Wolken umhüllt in der schönsten und höchsten Berghütte der Tatra? Nicht oft, würde ich sagen, aber auch das
Tal der Liebe
öffnet sich nur ein Mal an einer und der selben Stelle. Und so wird die Tatsache, daß etwas einmalig auf der Welt ist, vielleicht doch zu einer Selbstverständlichkeit, wenn man nur in dieser verweilt; und vieles, was anfangs in seinem Widerspruch jeden Gedanken ad absurdum zu führen schien, wurde nun schon beinahe zum Gesetz: das Höchste und das Schönste bleibt oft für viele unerreichbar. Und genau darin liegt die Ursache meiner Sprachlosigkeit, eines so tiefen Verstummen, daß ich nur mit Schweigen der ungewöhnlichen Natürlichkeit des höchsten der Gefühle meine Ehre erweise. Augenblicke der Liebe, sind nicht die des Wortes.
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